Ideal aber weicht das Ich zurück. In einer moralischen Hinsicht müsste das Ideal oder die Norm den Egoismus korrigieren können. Doch Freud hat, wie vor ihm Nietzsche schon, den Moralismus hinter sich gelassen. In einem anderen theore- tischen Rahmen bringt er – wie Nietzsche vor ihm – die Selbstbezogenheit und eine an Idealen orientierte Moral in einen Zusammenhang. Für ihn „tritt das Ideal selbst in die Bilanz der Triebverschiebung ein“ (138). 56 Auch die Sublimierung erscheint nun als eine Funktion des Narzissmus. Diese „Veredelung“, Erhöhung und Verwandlung der Triebe, ist Freud zufolge „ein Prozess an der Objektlibido [.Sie] besteht darin, daß sich der Trieb auf ein anderes, von der sexuellen Befriedigung entferntes Ziel wirft; der Akzent ruht dabei auf der Ablen- kung vom Sexuellen. Die Idealisierung ist ein Vorgang mit dem Objekt, durch welches die- ses ohne Änderung seiner Natur vergrößert und psychisch erhöht wird. Die Idealisierung ist sowohl auf