eBooks from Ewald Rahn
All books and eBooks by Ewald Rahn:
Borderline
Verstehen und bewältigen
by Ewald Rahn
112 # In der letzten Zeit habe ich viel Haschisch konsumiert und viel Alkohol getrunken, manchmal bis zum Umfallen. Mit zwölf Jahren habe ich begonnen, mich zu schneiden, und ha- be mich in den Folgejahren immer wieder geschnitten, wenn ich keine Möglichkeit hatte, mich umzubringen. Hauptsa- che, ich tue mir was an, egal wie. Sexuelles Abreagieren oder auch Aggressivität sind vorgekommen. Manchmal hatte ich eine große Zerstörungswut gegen leblose, aber auch manch- mal gegen lebende Objekte. # Ja, ich habe geritzt und drei Monate lang stark gesoffen. # Ja, zweimal habe ich mich mit dem Messer am Arm verletzt. Seit vielen Jahren nehme ich Drogen und trinke Alkohol. Ja, ich habe mir selbst geschadet. Mit Alkoholmissbrauch bei- spielsweise, aber auch mit anderen selbstschädigenden Ver- haltensmustern, zum Beispiel durch die Hörigkeit gegenüber Männern und durch die Nichtbeachtung der eigenen Bedürf- nisse. # Geritzt, Kopf gegen die Wand geschlagen, lange heiß ge-
(2009)
Umgang mit Borderline-Pa...
by Ewald Rahn
Erschreckte Distanz, erstaunte Anziehung – Vorbemerkung Es existieren verschiedenste psychiatrische und psychotherapeutische Kontexte und Einrichtungen, in denen Berufsanfänger Borderline-Patien- ten begegnen, nämlich nicht nur in einer Klinik, sondern auch in Begeg- nungsstätten, Wohnheimen, Beratungsstellen oder Werkstätten. Da die Borderline-Störung oft zusammen mit anderen Störungen auftritt, ist die Begegnung mit den Betroffenen im Rahmen der Behandlung von Sucht, Essstörungen, Depressionen und anderen Erkrankungen kein Zufall, son- dern eher wahrscheinlich. Viele Berufsanfänger begegnen der Borderline-Störung zunächst vor allem in Form von Geschichten und Vor-Urteilen. So gelten Borderline- Patientinnen und -Patienten als besonders schwierig im Umgang und ge- radezu unberechenbar. Ihnen geht der Ruf voraus, sich schnell in Ausei- nandersetzungen zu verwickeln, Helfer in großer Menge zu »verschleißen« und Grenzsetzungen nicht zu akzeptieren. Junge Helferinnen und Helfer werden entsprechend vor dem Umgang mit Borderline-Patienten gewarnt und dazu ermahnt, besonders vorsichtig zu sein. Oft sind die Geschichten dramatisch und der Zuhörer erkennt, dass es
(2010)
Lehrbuch Psychiatrie für...
Mit einem Beitrag von Jürgen Junglas zur Kinder- und Jugendpsychiatrie
by Ewald Rahn and Angela Mahnkopf
384 IIII Erleben und Bewältigung der manischen Episode Manische Episoden Das subjektive Erleben in der manischen Episode hängt von Art und Ausmaß der Er- krankung ab. Gerade schwer Kranke ahnen, dass an ihrem Zustand etwas nicht in Ord- nung ist. Viele Patienten beschreiben in der Retrospektive die Episode als nicht zu ver- ändern oder zu kontrollieren. Im Gegensatz zur Schizophrenie ist daher nicht die Be- drohung im subjektiven Erleben vorherrschend, sondern die Unkontrollierbarkeit und die Zwangsläufigkeit des Verlaufes. Abhängig von der Persönlichkeit des Kranken und vom Ausmaß der sozialen Schäden im Rahmen der manischen Episode ist das symp- tomfreie Intervall durch Schuldgefühle bis hin zur Verzweiflung gekennzeichnet. Für die Betroffenen ist es schwierig, für die Manie Verantwortung zu übernehmen, sie als krankheitsbedingtes Verhalten zu verdeutlichen und vor diesem Hintergrund die sozialen Beziehungen wieder herzustellen. In der Selbstwahrnehmung sind die mani- schen Episoden wie ausgestanzt wirkende Lebensabschnitte, in denen bestimmte Ein-
(2009)

