Einleitung Die Frage »Wie kann Gott das zulassen?« hat die Menschen zu allen Zeiten erregt. Seit der Mensch sein neuzeitliches Selbstbewusstsein entwickelt hat, spitzt sich die Frage zu: »Wie kann die Existenz eines gütigen und zugleich mächtigen Gottes gerechtfertigt werden angesichts des offensichtlichen Lei- dens in der Welt?« Die Frage der Theodizee lässt sich nicht akademisch be- antworten. Theologische Erklärungen laufen Gefahr, zynisch zu wirken und das Leiden des Einzelnen noch zu vertiefen. Hinter der Frage, wie Gott das Leid zulassen kann, verbirgt sich die Begegnung mit dem Tod mitten im Leben: media vita in morte sumus. Deshalb kann eine Antwort allein in der Hoffnung, ja der begründeten Erwartung einer Begegnung mit dem Leben liegen, einer Begegnung mit Gott. Alle Beiträge dieses Buches führen das Fragen angesichts des Leidens mit der Erfahrung der Gottesliebe zusammen. Dabei tritt neben das (glau- bende) Wissen um die Liebe Gottes zum Menschen das Staunen