1. Einleitung HELENA FLAM Dieses Buch befasst sich mit Deutschland – als einem widerspenstigen Ein- wanderungsland, das sich trotz thematisierter, durchlässiger Grenzen sowie umstrittener Kriterien der Zugehörigkeit ab 1913 vorwiegend als eine Ab- stammungsgemeinschaft definierte. Bereits vor 1848 gab es immer wieder heftige Debatten darüber, wo die Grenzen gezogen werden sollten und könnten und auch darüber, wer dazu gehört und wer nicht. Mit dem neuen Gesetz aus dem Jahre 1913 – in der nationalsozialistischen Epoche noch vielfach verstärkt – kam, nach der Zugehörigkeit fragend, wiederholt diesel- be Antwort: die Abstammungsdeutschen. Diese Zugehörigkeitsdefinition stellt zugleich ein Exklusionskriterium dar, das es immer noch großen Teilen der deutschen Politik und der Bevölkerung praktisch unmöglich macht, sich ein heterogenes Deutschland vorzustellen. Die Schließung gegen die bereits Zugewanderten ist dieser historischen Prägung entsprechend stark gewesen. Auch wenn die Politiker Deutschland gern als „weltoffenes, tolerantes“ Land bezeichnen und die Immigrations- und Asylpolitik prägen, die der nationalen