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Erinnerungskulturen online
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by Dörte Hein
Einleitung Mediale Erinnerungskulturen „Widerwärtiger Kitsch“ (Radisch 2008: 51), „Faszination am monumentalen Grauen“ (Welzer 2008: 53), „Monsterwerk“ (Harpprecht 2008: 53) – so kommentierten Kritiker den im März 2008 in deutscher Übersetzung erschie- nenen Roman des französischen Autors Jonathan Littell „Die Wohlgesinn- ten“. Der Autor präsentiere damit eine „neue Eskalationsstufe der Nazi- Faszination“ und eine Mischung, die eine „pure Affirmation des Grauens“ ergebe, so etwa die Einschätzung Harald Welzers (2008: 53). Ohne auf den Roman und die daran anschließende Debatte näher einzuge- hen, lassen sich anhand dieses Beispiels zwei für die vorliegende Untersu- chung aufschlussreiche Ansatzpunkte festmachen: Erstens repräsentiert der Streit um das Buch eine weitere Fortsetzung der bis heute polarisierenden Frage nach dem angemessenen Umgang mit der NS-Vergangenheit.1 In einer Zeit, in der sich durch das nahende Ende der lebensgeschichtlichen Erinne- rungen von Zeitzeugen des Holocaust auch die Probleme der kollektiven Erinnerung verschärfen, sind derartige Auseinandersetzungen quasi zur Nor- malität geworden.2
(2009)

