1. Aufzeichnung und ästhetische Erfahrung Der Begriff »ästhetische Erfahrung« wurde in den letz- ten Jahrzehnten zu einem Chiffre für das Unsagbare in einem sinnlichen und sinngebenden Dazwischen. Während man zu unterschiedlichen Zeiten den Gegenstandsbereich einer Ästhetik unterschiedlich dicht an der Kunst veror- tete, können ästhetische Erfahrungen prinzipiell an allen Gegenständen gemacht werden, sie sind nicht auf die Kunst beschränkt. Nimmt man Erfahrung wörtlich, strahlt noch heute das »Motiv der Fahrt« eine Anziehungskraft aus, die an die literarisch tradierten Irrfahrten eines Odys- seus erinnert, an die Schiffe des Fliegenden Holländers, die steuerlose Todesbarke von Kafkas »Jäger Gracchus« sowie Rimbauds »Bateau ivre«, die ins Unendliche treiben. Die Symbolik der Lebensreise schimmert hier ebenso auf, wie eine die Reise motivierende Sehnsucht (vgl. Frank, 1979, S. 30). Im folgenden Beitrag, der einige Ergebnisse mei- ner Untersuchung zum »Sichtbarwerden ästhetischer Erfahrung im Tagebuch« zusammenfasst, versuche ich zu zeigen, dass Erfahrung nicht direkt zugänglich ist und