eBooks from Platen, Edgar
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Alter und Altern
Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur (VI)
by Hellström, M... and Platen, Edgar
Vorwort VORWORT Das ist bekannt: eine ältere Frau ist jünger als eine alte Frau. Wie groß muß doch die Angst vor dem Alter sein, daß sie sogar die Grammatik vergewaltigt.1 Dass ich dreiundsechzig bin und bleibe, ist nur möglich, weil ich ein alter Knabe bin. Ich sehe so aus. Ich selber glaube, das Knabenhafte sei in mir und an mir noch deutlicher als das Alte.2 Der aktuelle Altersdiskurs wird vor dem Hintergrund einer interdisziplinä- ren, vor allem biologisch-medizinisch oder soziologisch bzw. soziokulturell geprägten Altersforschung geführt. Hingegen ist die literaturwissenschaftli- che Auseinandersetzung mit dieser Problematik anhand von zeitgenössischer Literatur relativ begrenzt. Das mag überraschen angesichts der hohen zeitge- schichtlichen Relevanz wie auch der ausgeprägten literaturästhetischen Tradi- tion des Altersdiskurses, der in der westeuropäischen und insbesondere in der deutschen Literatur durch essayistische und poetologische Schriften ent- scheidend mitgeprägt worden ist. Andererseits wiederum erstaunt es nicht, denn obwohl die Menschen immer älter werden,
(2010)
Grenzen der Fiktionalitä...
Autobiographisches Schreiben in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur - Band 2
by Parry, Chris... and Platen, Edgar
Einleitung Christoph Parry und Edgar Platen EINLEITUNG Die im vorliegenden Band gesammelten Beiträge stellen weitgehend den Er- trag der dritten Konferenz des von NordForsk geförderten Forschungspro- jekts Autobiographisches Schreiben in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dar, die vom 20.–24. September 2006 in Göteborg stattfand.1 Unter der Ge- samtüberschrift Grenzen der Erinnerung wurde nach den Grenzen der Identität und der Fiktionalität nun ein dritter Schwerpunkt in der Beschäftigung mit dem autobiographischen Schreiben gesetzt. Mit diesem dritten Schwerpunkt wird die wichtigste Grundvoraussetzung für jedes autobiographische Schreiben berührt. Es versteht sich, dass es ohne Erinnerung keine Autobiographie geben kann. Es kann auch kein autobiogra- phisches Subjekt geben, denn die Subjektidentität hängt von der Erinnerungs- fähigkeit ab. Mit Michel Wieviorka schlicht ausgedrückt: „Identität ist nur möglich, weil es Erinnerung oder Gedächtnis gibt.“ 2 Es sind geordnete Erin- nerungen, die den Menschen in die Lage versetzen, die Kohärenz und Konti- nuität der eigenen Person zu empfinden und
(2007)
Zwischen Globalisierunge...
Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur (V)
by Hellström, M... and Platen, Edgar
Vorwort VORWORT Unter dem Stichwort „Globalisierung“ werden in politischen Kontexten und innerhalb weltweiter Handelsbeziehungen inzwischen nicht nur ‚post-inter- nationale‘ bzw. transnationale Phänomene benannt,1 vielmehr ist der Begriff als Erklärungsmodell inzwischen bis an die Stammtische vorgedrungen.2 Da- bei reicht seine Begriffsgeschichte gar nicht so weit zurück. Carola Opitz-Wie- mers weist in ihrem Beitrag im vorliegenden Band darauf hin, das „Globali- sierung“ als Lexikoneintrag erst seit der so genannten Wende aufzufinden ist.3 Der Begriff hat offenbar schnell Karriere gemacht, was unter anderem als Hin- weis auf die zeitgeschichtliche Brisanz der Phänomene gewertet werden kann, die er zu beschreiben versucht. Dabei scheinen folgende Prämissen zu gelten: Erstens darf – auch wenn man der oben zitierten, von Ulrich Beck gezeichneten Entwicklungslinie Natio- nalstaatlichkeit, Internationalisierung, Globalisierung (als Post-Internationali- tät) folgt – keineswegs außer Acht gelassen werden, dass „Globalisierung“ ein Relationsbegriff ist, woraus folgt, dass eine zunehmende Globalisierung nicht ohne gleichzeitige Regionalisierung (bzw. Relokalisierung) zu denken
(2008)
Erinnerte und erfundene ...
Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur
000-vorwort.fm Seite 7 Dienstag, 14. November 2000 10:20 10 Vorwort VORWORT Im vorliegenden Band sind die Beiträge der Konferenz Erinnerte und erfun- dene Erfahrung – Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger Gegen- wartsliteratur gesammelt, die vom 21.–23.4.1999 im nordschwedischen Umeå stattfand. Zwar meint Zeitgeschichte die Geschichte unserer Zeit, doch bleibt zu fragen, wie weit „unsere Zeit“ in die Vergangenheit hineinreicht. Zeitgeschichte läßt sich kaum hinreichend bestimmen als Geschichte der letzten fünf oder fünfzehn Jahre bzw. als Geschichte der gegenwärtigen Ge- neration. Auch „unsere Zeit“ sucht beispielsweise ihren eigenen Umgang mit dem Nationalsozialismus, der trotz seiner historischen Entfernung von über fünfzig Jahren immer noch Bestandteil unserer zeitgeschichtlichen Dis- kurse ist. Offenbar gehört Auschwitz auch zum Erfahrungshorizont unserer Gegenwart. Gleichzeitig ist Vergangenes immer dann anwesend, wenn wir die Frage nach Identität oder kultureller Verfaßtheit an die Gegenwart stellen. Diese Fragen sind nicht abschließbar zu beantworten, da die Antworten notwendi- gerweise variieren, denn
(2002)
Grenzen Grenzüberschreit...
Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur
by Platen, Edgar and Todtenhaupt,...
Vorwort und Auswahlbibliographie Edgar Platen VORWORT UND AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE Offenbar kann der Mensch einerseits nicht ohne Grenzen leben, andererseits fühlt er sich zugleich ständig dazu bewegt, Grenzen zu überschreiten und auf- zulösen, um – so lehrt die geschichtliche Erfahrung – neue Grenzen zu ziehen, die dann wieder überschritten werden usw. Damit bewegt sich die Frage nach „Grenzen, Grenzüberschreitungen und Grenzauflösungen“ von vornherein nicht in Bereichen, die Gegensätzlichkeiten feststellen, sondern solchen, die Beziehungen und Verbindungen entwerfen und veranschaulichen. Eben dies wird auch deutlich in den häufig zitierten Sätzen von Michel Foucault: „Die Grenze und ihre Überschreitung verdanken einander die Dichte ihres Seins: eine Grenze, die nicht überschritten werden könnte, wäre nicht existent; eine Überschreitung, die keine wirkliche Grenze überträte, wäre nur Einbildung“, und Homi K. Bhabha, bei dem (in Anlehnung an Martin Heidegger) „die Grenze zu dem Ort [wird], von woher etwas sein Wesen beginnt; dies geschieht in einer Bewegung, die dem
(2004)

