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Musik – Religion – Kirche
Studien zur Musik aus theologischer Perspektive
Musik und Religion 1. Begrifflichkeit Von griechisch mousa (Muse) abgeleitet findet sich bei Pindar erstmals der Begriff mousikä als Adjektiv zu technä. Diese „Musenkunst“ be- zeichnet nicht ein Musikwerk, sondern die musische Erziehung durch musische Betätigung (Lesen, Schreiben, Gesang, Lyraspiel u. a.).1 Für das Altertum und für weite Teile des Mittelalters ist Musik zuerst eine theoretische Wissenschaft (eine der vier artes liberales des mittelalter- lichen universitären quadrivium), die kosmische und anthropologische Strukturen mit akustischen Gesetzmäßigkeiten der Tonsysteme in Ver- bindung bringt (Obertonreihe, Frequenzverhältnisse der Intervalle etc.). Boethius (480-524 n. Chr.) unterscheidet in seinem für das Mit- telalter grundlegenden Werk „De institutione musica“ zwischen musi- ca mundana (Welten- bzw. Kosmos-Musik), musica humana (musika- lische Proportionen in der menschlichen Anatomie) und musica in- strumentalis (die hörbare menschliche Musik). Erst ab dem 13. Jh. und seiner Aristoteles-Rezeption rücken real erklingende akustische Ereignisse ins Zentrum des Musikbegriffs, etwa bei Roger Bacon um 1219-1292 und
(2009)

