eBooks from Martin Heinze
All books and eBooks by Martin Heinze:
Psychopathologie des Uns...
Ausgewählte Aufsätze
Martin Heinze Einführung Wolfgang Blankenburg schreibt in der großen Tradition derjenigen Psychiater stehend, denen ihr fachliches Wissen noch als grundgelegt in der Philosophie erscheint, bzw. die die Philosophie als wesentliche Grundlagenwissenschaft zumindest der Psychopathologie ernst neh- men. Mit Jaspers teilt Blankenburg die Grundhaltung, dass die psych- iatrische Wissenschaft „ohne Philosophie nicht fruchtbar, nicht wahr, sondern nur richtig“ (Jaspers 1965, 643) ist. Blankenburg übernahm nicht einfach die Denkansätze der Autoren der sogenannten Anthropo- logischen Psychiatrie, die zu Beginn seiner Schaffenszeit die dominie- rende theoretische Sichtweise darstellte. Vielmehr hielt er sich bezüg- lich der methodischen Alternativen, die die philosophische Tradition bieten kann, offen und wandte diese sachgerecht an. So erweiterte er die philosophische Grundlegung für seine eigenen Arbeiten. Anders als die meisten Autoren der Anthropologischen Psychiatrie rezipierte er nicht allein Theorien phänomenologischer Provenienz, sondern auch Kritische Theorie und Strukturalismus. Ebenso räumt er der Empirie, insbesondere der konkreten patientenbezogenen Praxis als kritischem Korrektiv,
(2007)
Willensfreiheit - eine I...
Naturalismus und Psychiatrie
by Martin Heinze, Thomas Fuchs, and Friedel M Re...
Einleitung In diesem Buch wird der Versuch unternommen, Fragen der Freiheit oder Determiniertheit des menschlichen Willens zu beantworten, die sich auf den Gebieten der Philosophie, Physik und insbesondere der Psychiatrie stellen. Wenn alles psychische Geschehen naturalistisch aufgefasst wird – dann auch die Psychotherapie, der Suizid oder die Fehlhandlung? Was bedeutet eine natu- ralistische Auffassung von Entscheidungen psychisch kranker Menschen? Wie kann man sich unter deterministischen Voraussetzungen vorstellen, dass das Gespräch in der Psychotherapie Wirkungen hat? Und sind unsere Vorstellun- gen von Autonomie und Selbstbestimmung als Ziel der Therapie mit einem neuronalen Determinismus vereinbar? Die Diskussion über die Freiheit des Willens ist nicht neu. Bereits in der frü- hen Christenheit gab es eine Auseinandersetzung über die Frage, inwieweit der Mensch frei entscheiden kann. So nahm Augustinus in der Prädestinations- lehre eine Vorherbestimmung an, vor allem auch in der Beziehung zu Gott; in der Bibel finden sich entsprechende Stellen: »Denn Gott ist's,
(2010)
Subjektivität und Gehirn
by Thomas Fuchs, Kai Vogeley, and Martin Heinze
Vorwort Mit den Fortschritten der Neurowissenschaften lassen sich zunehmend detail- lierte Korrelationen von subjektivem Erleben und neurobiologischen Funktio- nen herstellen. Für die Psychiatrie bringt das neurobiologische Paradigma die Tendenz mit sich, psychische Störungen primär als Störungen neurophy- siologischer Prozesse anzusehen. Auch wenn derzeit monistische Auffassungen des Verhältnisses von Gehirn und Geist in der Philosophie und in den Neuro- wissenschaften dominieren, bleibt doch die Frage, ob für die Psychiatrie ein methodischer Dualismus, der die Perspektiven der 1. und der 3. Person unter- scheidet, nicht unerlässlich ist. Diese Annahme betrifft nicht nur den primären Zugang über das subjektive Erleben und seine psychopathologische Beschrei- bung, der dem Psychiater überhaupt erst eine Diagnose ermöglicht. Sie liegt auch begründet im Selbstverhältnis der Person, das für alle psychischen Erkran- kungen von zentraler Bedeutung ist. Auch wenn eine überzeugende Korrelati- on psychischer Störungen mit Störungen von Gehirnfunktionen möglich wäre, darf dennoch das subjektive Erleben, das erst die
(2007)
Psyche zwischen Natur un...
by Kai Vogeley, Thomas Fuchs, and Martin Heinze
Vorwort Die unübersehbaren Fortschritte der Neurowissenschaften suggerieren, dass eine Erklärung psychopathologischer Phänomene und psychischer Erkran- kungen auf neurowissenschaftlicher Grundlage möglich werden könnte. Diese Erklärungsansprüche müssen kritisch geprüft werden, da das subjektive Erle- ben und seine Veränderungen Angelpunkte der Psychopathologie und Psychi- atrie und die Explananda psychiatrischer Forschung bleiben. Damit hängt na- türlich auch das Phänomen der Intersubjektivität eng zusammen, das ebenfalls unerlässlich für die psychiatrische Praxis ist, dies sowohl in diagnostischer als auch therapeutischer Hinsicht. Wenngleich subjektives Erleben und damit auch psychiatrisch relevante Stö- rungen dieses Erlebens nicht auf neurobiologische Prozesse reduziert werden können, können sie gleichwohl unter bestimmten Umständen zu legitimen Forschungsgegenständen neurowissenschaftlicher Forschung gemacht wer- den. Andererseits ist das subjektive Erleben aber auch wesentlich geprägt von den historischen Entwicklungen, gesellschaftlichen Verhältnissen und kultu- rellen Umgebungen, in denen es auftritt. Psychische Prozesse werden damit sowohl naturwissenschaftlichen als auch kulturwissenschaftlichen Untersu- chungen zugänglich. So lässt sich in der kulturvergleichenden Psychologie
(2008)
Sagbar – Unsagbar
Philosophische, psychoanalytische und psychiatrische Grenzreflexionen
by Christian Kupke, Isolde Eckle, and Martin Heinze
Einleitung Der vorliegende Sammelband dokumentiert in weiten Teilen eine Ta- gung, die unter dem Titel "Das Sagbare und das Unsagbare" am 8. und 9. März 2003 im Hörsaal der Nervenklinik der Charité Berlin stattfand und, mit freundlicher Unterstützung von Andreas Heinz, dem ärzt- lichen Leiter der Klinik, von der Gesellschaft für Philosophie und Wis- senschaften der Psyche (GPWP) organisiert wurde. Angeregt wurde das Thema der Tagung durch drei Fragen: Die erste Frage war die nach den Grenzen des sprachlichen Zugangs zum Psychi- schen. In dieser mehr methodischen Frage kam, als eine äußere Gren- ze sprachlicher Artikulation, vor allem das Vor- und Nichtsprachliche psychischer Prozesse in den Blick. Die zweite Frage war die nach der sprachlichen Verfasstheit des Psychischen. Hier ging es im Wesentlichen um die innere Grenze der sprachlichen Artikulation des Psychischen, also um ein möglicherweise Unaussprechliches. Und schließlich wurde, vor dem Hintergrund von Erfahrungen mit schwersten psychischen Erkrankungen, auch
(2006)
Utopie Heimat
Psychiatrische und kulturphilosophische Zugänge
by Dirk Quadflieg, Martin Bührig, and Martin Heinze
Einleitung Wenn der Begriff ‚Heimat‘ zum Ausgangspunkt eines Trialogs zwischen Philosophie, Psychiatrie und Kultur(theorie) genommen wird, bedarf dies sicherlich zunächst einer kurzen Erläuterung. Wer sich heute em- phatisch auf die Heimat beruft, diesem deutschen Wort, das sich nur schwer in andere Sprachen übersetzen lässt, dem wird tendenziell eher eine konservative Geisteshaltung unterstellt. Abgesehen von ganz per- sönlichen Erinnerungen und Erfahrungen steht Heimat allgemein für die Verbundenheit mit einem Landstrich, das Bewahren von Brauch- tum und die Rückwendung ins Überschaubare, Althergebrachte. Diese einseitige Besetzung des Heimat-Begriffs liegt in seiner jüngeren Ge- schichte begründet. Als Antwort auf die Industrialisierung und ihre Fol- gen wird Heimat bereits im 19. Jahrhundert zum Gegenkonzept einer auf ständigen Wandel ausgerichteten, somit zunehmend unbehausten Welt. Politisch vereinnahmt und völkisch aufgeladen avanciert sie dann zum Schlagwort des Nationalismus im beginnenden 20. Jahrhundert und stellt ein zentrales Versatzstück der nationalsozialistischen „Blut und Boden“-Mythologie dar. Nach dem Ende des Zweiten
(2006)

